WiWi Gast schrieb am 30.04.2018:
Du musst in der Realität ankommen. Abitur und Studium wurde in den letzten 10 Jahren so vereinfacht, dass inzwischen 72% eines Jahrganges studieren dürfen und 60% eines Jahrganges studieren. Das sind 6 von 10. Die Noten wurden gleichzeitig immer besser. Das Studium 2018 ist nicht mit dem von 2006 zu vergleichen.
Es hat nicht einmal mehr die Hälfte des Niveaus. Vielmehr ist es jetzt "Ausbildungsersatz". Nur noch 30% machen heute eine Lehre und knapp 60% studieren (Anmerkung: Die restlichen Prozente landen im Sozialsystem). Das Studium ist Massenware und besonders der Bachelor ist Ausbildungsersatz.
Das schlägt natürlich auf die Löhne immer mehr durch. Wenn wir eine Trainee-Stelle ausschreiben, bekommen wir Bewerbungen im vierstelligen Bereich aus ganz Deutschland. Und wir zahlen auch nur ca. 24k. Das schlimme ist, dass viele davon zwar gute Noten haben, aber inhaltlich nichts drauf haben. Heute kann sich jeder mit guten Noten durchschummeln, ohne auch nur 10% vom Stoff verstanden zu haben. Früher hatten Noten eine Aussagekraft. Heute zählen die ganzen Dinge drumrum viel mehr. Nicht, weil wir mehr verlangen, sondern weil die guten Noten nachgeworfen werden.
Das ist die Realität. Ihr müsst die Arbeitssuche aus Sicht der breiten Masse der Absolventen betrachten und nicht immer nur aus der der Top-20-Prozent, die alle Fähigkeiten haben. Der größte Teil studiert heute, weil es halt jeder macht. 2006 wären es halt noch Hauptschule, Realschule und dann die Lehre gewesen. Heute bekommt man mit dem gleichen Niveau halt Abitur und Studium nachgeworfen.
Und aus Sicht der breiten Masse ist das, was der Mensch erzählt, eben typisch. Bei einem Schnitt von 2,9 oder gar 3,2 wie der TE ragt man bei 1000 Bewerbungen eben raus - negativ!
WiWi Gast schrieb am 30.04.2018:
Das ist aber auch nur die halbe Wahrheit. Du müsstest das jetzt erstmal aufdröseln in die jeweiligen Fachbereiche. Nur als Beispiel kannst du, wenn es um typische WiWi-Jobs geht, erstmal fast alle Nawis, Juristen, Mediziner, Lehramt ausrechnen. Dazu noch den Großteil der Geisteswissenschaften.
Davon jetzt nun alle ausrechnen, die UB / IB / Strategie machen wollen, die kloppen sich natürlich mit den top 10-20% aller anderen Studiengänge, die irgendwie in UB / IB / Strategie wollen.
So dann haben wir jetzt noch die Studenten die unbedingt in die Industrie wollen, ich sag jetzt mal DAX30.
Und danach wird es auch schon echt dünn an geeigneten Kandidaten für anspruchsvolle Unternehmen / Hidden Champions / S/MDAX. Die Unternehmen haben heute schon große Probleme geeignete Kandidaten zu finden. Employer Branding ist gerade bei den oben genannten das A und O, um irgendwie geeignete Studenten zu finden. Für Unternehmen, die jetzt auf den ersten Blick nicht super attraktiv wirken.
Ich war mal bei einer größeren Sparkasse Werkstudent und dort hat man mir schon nach dem Vorstellungsgespräch gesagt, dass ich aufgrund meines Profils und des Vorstellungsgespräch bei guter Arbeit als Werkstudent eine sehr gute Chance hätte auch später dort anfangen zu können. Hatten damals schon 2 Werkstudenten übernommen.
Dazu kommt noch der Standortfaktor. Es gibt sehr viele Studenten, die unbedingt in einer Metropole (München, Frankfurt, Hamburg, Berlin) arbeiten wollen und sich dafür ausbeuten lassen. Gerade in Berlin ist das an Lohndumping schon kaum zu überbieten.
Es ist also nicht alles so schlecht wie es scheint. Gerade als Sehr guter / guter Student stehen dir praktisch alle Türen offen. Selbst als mittelmäßiger Student hast du noch genügend Optionen irgendwo einzusteigen.
Als Tipp: Praktika, Praktika, Praktika am Anfang auch erstmal egal wo, Hauptsache du hast Berufserfahrung. Nachdem ersten / zweiten Praktikum wirst du bei guten Leistungen im Studium, sehr viel einfacher Praktika finden als zuvor.
Du musst auch mal überlegen, wer macht den wirklich aktiv Praktika im Studium? Natürlich der Student der ins IB / UB / DAX30 will und die Anderen? Die chillen oder machen ganz am Ende ihres Studiums mal ein 3-monatiges Praktikum.
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